Fasnachts-Historie


Etwas Fasnachts-Historie

© Heidy Fasler, Pratteln

Der Zeitpunkt der Basler Fasnacht und damit auch ihrer Region
Dass die Basler Fasnacht die letzte ist, die in der Schweiz zelebriert wird, liegt am julianischen Kalender, nach dem man sich bis Ende des 16. Jahrhunderts ausrichtete, bevor Papst Gregor XIII. einen neuen, angepassten Kalender einführte. Die Basler, damals schon reformiert und skeptisch gegenüber allem was vom Papst kam, weigerten sich diesen neuen – noch heute gültigen – Kalender zu akzeptieren. Sie mussten aber bald einsehen, dass dieses Vorhaben nicht funktioniert. Bei Vertragsabschlüssen wurde es schwierig, denn Fremde bestanden auf das Datum aus dem gregorianischen, die Basler auf das Datum aus dem julianischen Kalender. Also gaben die Basler nach aber beschlossen, den Zeitpunkt der Fasnacht, ihrer Fasnacht, nach dem alten Kalender zu orientieren. Das ist auch der Grund, weshalb die reformierten Baselbieter Gemeinden ihre Fasnacht nach der Basler Fasnacht ausrichten, während die katholischen Gemeinden ihre „Herrenfasnacht“ nach dem aktuellen Kalender festlich begehen.

Die Basler Fasnacht nicht ohne das Militär
Die Basler Fasnacht lehnt sich extrem an die mittelalterlichen militärischen Gepflogenheiten an. Verändert hat sie sich erst im 19. Jahrhundert und trotzdem ist sehr viel der militärischen Prägung bis heute erhalten geblieben. Denn die Fasnachtsumzüge fanden zuvor meist im Zusammenhang mit Ritterturnieren und später mit militärischen Musterungen statt, wo die Zünfte eine wichtige Rolle spielten. Aus der damaligen Militärmusik gingen Märsche hervor, die noch heute an der Basler Fasnacht gepfiffen und getrommelt werden. Wenn im Mittelalter die rekrutierten Söldner (Rysläufer) den Marsch hörten, mit dem noch heute am Morgenstraich alle Cliquen zu spielen beginnen, war das das Zeichen, dass sich die Rysläufer zum vereinbarten Treffpunkt einzufinden hatten. So ist der Morgenstraich eigentlich die Ableitung der militärischen Tagwache und der Morgenstraich-Marsch die Einberufungsmelodie. Auch der spezielle Gleichschritt, mit dem die Cliquen durch die Stadt ziehen, geht auf die Rysläufer-Zeit zurück, denn mit dieser Gangart kann man – ohne zu ermüden – zu Fuss lange Distanzen zurücklegen.

Guggenmusik, Luzerner und Zürcher
In der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen Blechmusiker die Umzüge zu bereichern und entwickelten sich zu den heutigen Guggenmusiken. Waren damals noch die Mundharmonika und die Mandoline „gang und gäbe“, sind es heute fast ausschliesslich Blas- und Schlaginstrumente mit denen geschränzt wird und zur Freude des Publikums werden die Gassenhauer immer virtuoser.
Wenn sich Luzerner brüsten, die Guggenmusik „erfunden“ zu haben, muss man dem nicht nur wegen der belegbaren zeitlichen Entstehung in Basel widersprechen, sondern auch, weil es einst Heimweh-Basler waren, die sich aktiv in die Luzerner Fasnacht einbringen wollten und mangels Piccolospielern und Trommlern ein paar Blasmusiker auftrieben und mit ihnen die erste Guggenmusik in der Mitte des 20. Jahrhundert in Luzern gründeten. Auch die jedes Jahr von den Schnitzelbänklern besungene Fehde zwischen Basel und Zürich beruht auf einem wahren Hintergrund. Einst war der Löwe das Stadttier von Basel. Da die Zürcher ebenfalls den Löwen als Stadttier wählten, verstimmte das die Basler. Als Folge davon kreierten die Basler ihren Basilisk, der als „geistiges Eigentum“ wohl kaum kopiert werden konnte. So hatte nun jede Stadt ihr eigenes Stadttier; aber die Verstimmung gegenüber den Zürchern blieb über die Jahrhunderte hinweg erhalten; nur weiss heute keiner mehr wieso.

Die Entwicklung der Basler Fasnacht
Die älteste Aufzeichnung über die Basler Fasnacht fand  man in Aufzeichnungen aus dem Jahr 1376 gefunden. Man vermutet, dass sie noch älter ist, aber das grosse Erdbeben und der Feuerbrand im Jahr 1356 haben nebst der Stadt auch die meisten Schriften zerstört.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Fasnacht mit Verboten ziemlich eingeschränkt, nicht zuletzt wegen Einwänden seitens der Kirche. Vor allem der reformierten Kirche waren Tanzanlässe und besonders die beliebten Maskenbälle ein Dorn im Auge. Als dann auch noch die Strassenfasnacht verboten wurde, beschlossen ein paar mutige Basler, in den frühen Morgenstunden mit Trommeln und Fackeln durch die Stadt zu ziehen. Die Polizei und die Behörden getrauten sich nicht einzugreifen und liessen sie gewähren. So entstand der Morgenstraich, 1835 erstmals offiziell und von der Obrigkeit abgesegnet. Allerdings wurden zehn Jahre später die Fackeln wegen der Brandgefahr verboten. Da die Basler wollten nicht auf die Lichtquellen verzichten wollten, entwickelten sie die ersten Laternen. Schon damals wurde darauf kunstvoll das gewählte Sujet dargestellt und mit Versen und Sprüchen verziert. In dieser Zeit entstanden die ersten Cliquen und die Umzüge fanden zu Beginn noch in den einzelnen Quartieren statt. Viele Cliquennamen deuten noch heute auf diese alten Gesellschaften hin. 1910 wurde schlussendlich das Basler Fasnachtskomitee gegründet, das behördlich abgesegnet und als unabhängige Instanz die verzettelten Quartierfasnachten vereinte und das Ganze koordinierte.

Typische Kostüme und Larven
Für die Aktiven ist es Pflicht sich so zu verkleiden, dass man die Person unter der Maske nicht erkennt. Die ganze Verkleidung, also Kostüm mit Larve, wird als Maske bezeichnet. Geschminkte Gesichter gehören nicht zur Basler Fasnacht und sind verpönt.
„Zu den traditionellen Masken gehören der ‚Waggis‘ (eine Persiflage des Elsässer Bauern), die ‚Alti Dante‘ (die alte Tante aus der Biedermeierzeit), der ‚Harlekin‘ (eine Anlehnung an die Commedia del’Arte), der ‚Dummpeter‘ (eigentlich ein Trompeter aus der Rokokozeit), der ‚Blätzlibajass‘ (ein Kostüm, das in ähnlicher Form auch in der badischen Nachbarschaft in langer Tradition bekannt ist), der ‚Stänzler‘ (von den Standesuniformen des Basler Regiments aus dem 19. Jahrhundert abgeleitet), und der ‚Ueli‘ (eine Ableitung des Hofnarren aus dem Mittelalter).“
Quelle: Fasnachtskomitee Basel: Fasnacht in Basel, eine Wegleitung (unverkäufliche Ausgabe).

Ungeschriebenes Gesetz
Zivilisten haben sich an der Fasnacht anständig zu verhalten und lassen den Cliquen, Guggenmusiken und Schissdrägg-Zügli immer und in jedem Fall den Vortritt.
Auswärtige Gäste wundern sich immer über den friedlichen und disziplinierten Charakter der Basler Fasnacht, die trotzdem ausgelassen und fröhlich ist. Eine „Blaggedde“ zu tragen ist Ehrensache, denn damit bezeugt man den Respekt und die Anerkennung der immensen Fronarbeit, die die Cliquen im Vorfeld und mit den Darbietungen an der Basler Fasnacht leisten.

Die „wilde“ Prattler Fasnacht
Die Prattler Fasnacht ist reich an Brauchtum und Traditionen, die noch immer hochgehalten werden. Bekannt ist, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Musikgesellschaft und die Turner mit kleinen Umzügen durchs Dorf marschierten und in jeder Beiz ein Maskenball stattgefunden hat. Auch Guggenmusiken zogen mit Pfannendeckeln und Töpfen ausgerüstet durchs Dorf. Jedes Quartier hatte sein eigenes Fasnachtsfeuer, das man streng bewachte und wenn nötig mit Fäusten verteidigte. Mehr als einmal stibitze man sich gegenseitig das Holz oder steckte die Holzstösse vorzeitig in Brand. Der „Butz“ – ein uralter Heischebrauch – war damals bei den Kindern recht furchteinflössend und in manchem Haushalt verhielt man sich mucksmäuschenstill, als ob man nicht Zuhause wäre – wenn der „Butz“ auf die Klingel drückte um eine Spende zu erbetteln.
Ebenfalls ein uralter Brauch sind die ‚Hornbuebe‘, die auf ihren Hörnern die uralte Melodie ‚Schufle und Charscht‘ blasen und von ‚Kläpperer‘ begleitet werden. Die Hörner dienten einst als Kommunikationsmittel und rief die Einwohner auf, mit Schaufeln und Harken herbei zu eilen, um die von einem Unwetter weggeschwemmte Erde am Rebberg wieder an Ort und Stelle zu bringen.
Die Jahreszahlen der Gründung einzelner Cliquen beweisen, dass in Pratteln schon immer aktiv Fasnacht gemacht wurde, längst bevor im Jahr 1966 erstmals ein organisierter Umzug durchs Dorf zog.

Prattler Vorfasnacht
Zu den Vorfasnachtsveranstaltungen gehört das „Larifari“ der Saggladärne; jedes Jahr ein ‚Highlight‘ und  farbenprächtig in Bild,
Wort und Ton.
Vier Wochen vor der Fasnacht sind die ‚Füürbiiger“ unterwegs und sammeln Holz um es beim Mayenfels zu einem riesigen Holzstoss aufzuschichten. An Nachwuchs fehlt es nicht, denn viele Eltern, die schon als Kinder dabei gewesen sind, führen nun wiederum ihre Sprösslinge in diese Tradition ein. Dieser Brauch nimmt in Pratteln einen so hohen Stellenwert ein, dass dieser Aktivität im Prattler Lied eine eigene Strophe gewidmet wurde.
Ebenfalls vier Wochen vor der Fasnacht sind die ‚Hornbuebe‘ im Dorf unterwegs und kurz nach Neujahr beginnen auch die „Schneemaa-Bauer“‚ mit der Erstellung des überdimensionalen Schneemanns, der am Abend des Fasnachtssonntag nach dem Fackelumzug auf dem Schulhausplatz in Brand gesteckt und mit lauten Knallern sein Leben aushauchen wird.

Das Prattler Fasnachts-Komitee
Das Fasnachtskomitee untersteht dem Verschönerungsverein Pratteln (VVP) und wurde aus guten Gründen ausgelagert. Die Organisation des Umzugs erfordert eine umsichtige Planung, die fast das ganze Jahr in Anspruch nimmt. Sie beginnt mit der Mithilfe am Banntag und nach der Sommerpause steht dem Komitee das Privileg zu, aus den zahlreichen eingegangen Vorschlägen das Motto für die nächste Fasnacht auszusuchen. Dann gilt es die Herstellung der Plaketten zu überwachen, im Herbst das Aufgebot an die Aktiven zu richten, die Plakettenvernissage auf die Beine zu stellen und den Plakettenverkauf zu organisieren. Daneben wird der „Fasnachtsführer“ erstellt, der kurz vor der Fasnacht in alle Haushaltungen verteilt wird.
Ein eigener Aufgabenkatalog umfasst allein die Planung für einen reibungslosen Verlauf des Umzugs am Fasnachtssonntag. Dazu gehören die Kontaktaufnahme zu den Behörden, Spitälern, der Polizei und anderen übergreifenden Stellen sowie das Rekrutieren der zahlreichen wertvollen Streckenposten. Am Fasnachtssonntag werden die Anzahl Teilnehmer innerhalb der einzelnen Gruppen gezählt, die ausgespielten Sujets bewertet und jeder Clique die Zugsplakette überreicht.
Nach dem Fasnachtssonntag geht es weiter mit der Rechnungsstellung an die Cliquen für die bezogenen Plaketten und das Verteilen der Subventionen. Ist das alles erledigt, steht der Banntag wieder „vor der Türe….“

Auf die zahlreichen Aktivitäten an der Prattler Fasnacht sei auf die aktuellen Infos in verschiedenster Form hingewiesen und die Details zu den Bräuchen und Traditionen findet man auf der vvp-Homepage. In diesem Sinne: eine schöne Fasnacht !